Abstract von Alexandre Duchêne

Spracharbeit in der globalisierten Wirtschaft: zwischen Prekariat und Banalisierung

In diesem Vortrag möchte ich mich mit den Auswirkungen beschäftigen, die die rasanten Veränderungen in einer durch Globalisierung geprägten Arbeitswelt (d.h. Zunahme der transnationalen wirtschaftlichen Beziehungen, wachsende Bedeutung der Industrien des tertiären Sektors – v.a. Dienstleistungen und Kommunikation) auf das Verständnis haben, welche sprachlichen Praktiken als legitim, erwünscht und wirtschaftlich profitabel gelten. Im Zuge dieser Veränderungen tritt die zunehmende Bedeutung von mehrsprachigen Kommunikationskompetenzen hervor, sowohl was den „Rohstoff“ der Arbeit als auch den Bedarf nach Übersetzungen und sprachlicher Schulung angeht. Folglich funktioniert die Neue Wirtschaft, anders als gemeinhin angenommen, nicht notwendigerweise einsprachig Englisch, sondern, ganz im Gegenteil, mehrsprachig. Freilich führt der auf die Logik von Produktivität und Flexibilität ausgerichtete Charakter der Arbeit dazu, dass der Wert von Sprachen, Sprecherinnen und Sprechern und Spracharbeit nach den Massstäben von wirtschaftlicher Konkurrenzfähigkeit und Rentabilität gemessen wird. Zudem bleibt, auch wenn der Bedarf im sprachlichen Bereich steigt, die Kontrolle der Kosten eine konstante Beschäftigung der Unternehmen.

In einem ersten Schritt werde ich herausarbeiten, wie sich diese neuartigen Bedingungen auf eine Reihe von Berufen im Bereich der Sprachindustrie (v.a. Sprachlehrerinnen und –lehrer in der Privatwirtschaft) auswirken. Ich werde zeigen, inwiefern diese Berufsleute wirtschaftlichen Diktaten unterworfen sind, die ihre Berufspraxis regulieren, zu einer neoliberalen Sicht auf den Sprachenunterricht führen (Effizienz, Flexibilität, Anpassung) und die Berufspraxis und ihren Status grundlegend prekarisieren. In einem zweiten Schritt werde ich darauf eingehen, wie insbesondere Sprachkompetenzen von im Unternehmen hierarchisch tiefgestellten Migrantinnen und Migranten häufig ohne jede symbolische oder materielle Anerkennung ausgenutzt werden. Dies führt nicht nur zu einer Banalisierung dieser Sprachkompetenzen sondern erlaubt zudem die Lösung sprachlicher Probleme zu tiefen Kosten.

Ausgehend von beiden Dimensionen, d.h. dem Druck auf Berufsleute des Sprachbereichs durch die Logik der Produktivität sowie der Ausbeutung von sprachlichen Ressourcen der am wenigsten valorisierten Mitarbeitenden eines Unternehmens, werde ich schliesslich deutlich machen, wie wichtig es ist, die aufkommende Ideologie der Ökonomisierung von Sprachen, die unter bestimmten Bedingungen zur Reproduktion von sozialen Ungleichheiten in der Arbeitswelt führt, kritisch zu betrachten.